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Prof. Dr. Christian Klotz

PROF. DR. Christian Klotz

Curriculum:

1986 Magister in Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Thema der Arbeit: “Substantialität und Zeitbestimmung. Eine Untersuchung über Kants Erste Analogie der Erfahrung”.

1986/87 Gaststudent an der University of Oxford

1990 Promotion in Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Thema der Arbeit: “Kants Widerlegung des problematischen Idealismus”

1999 Habilitation (Privatdozentur) an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Thema der Arbeit: “Selbstbewusstsein und praktische Identität. Eine Untersuchung über Fichtes Wissenschaftslehre nova methodo”

2002/2003 Lehrstuhlvertretung an der Humboldt-Universität zu Berlin

2004-2005 Gastprofessor an der Universidade Federal de Santa Maria, Brasilien

2005 Professor Adjunto an der Universidade Federal de Santa Maria (UFSM)

2009 Professor Adjunto an der Universidade Federal de Goiás (UFG)

Seit 2010 Stipendiat und Gutachter des Nationalen Forschungsrats von Brasilien (CNPq)

FORSCHUNGSPROJEKT:

Offenbarung, Manifestation und Freiheit. Über einen zentralen Zusammenhang der Philosophie des Deutschen Idealismus

Christian Klotz (Universidade Federal de Goiás, Brasilien)

Das philosophische Projekt des Deutschen Idealismus kann – ungeachtet der erheblichen Differenzen zwischen den Positionen, die ihm zuzuordnen sind – als das eines “nachkantischen Monismus” charakterisiert werden. Auf der Grundlage des spinozistisch inspirierten Gedankens eines allumfassenden Einen sollen hier die Aspekte der menschlichen Subjektivität erhellt werden, die Kant in den Mittelpunkt gerückt hatte: ihre Spontaneität und Freiheit. Der Deutsche Idealismus wurde daher auch als “Spinozismus der Freiheit” charakterisiert.

Dieses Projekt kann offenbar in sehr verschiedenen Weisen konkretisiert werden. Man kann sagen, dass in der zweiten Phase des Deutschen Idealismus, in der nicht mehr der Begriff des “Ich”, sondern des “Seins” oder der “Identität” für den idealistischen Monismus grundlegend sind, die Begriffe der Offenbarung und der Manifestation entscheidend werden für das Verständnis der menschlichen Freiheit im Ausgang vom Gedanken des Absoluten. Der Grundgedanke ist hier, dass das Absolute sich notwendig offenbart, und dass seine Offenbarung sich im Menschen als freiem Wesen ereignet oder vollendet. Der hierbei leitende Offenbarungsbegriff unterscheidet sich offenbar von dem der Theologie wie auch von einer ethiko-theologischen Konzeption der Offenbarung, wie sie noch von Fichte in seiner ersten Publikation vertreten wurde. Er stellt sozusagen die begriffliche Brücke dar, die vom Gedanken des Absoluten zu dem der menschlichen Freiheit führt. Die Intention des Forschungsprojekts ist es, dem begrifflichen Zusammenhang zwischen Offenbarung (oder Manifestation) und Freiheit beim “reifen” Fichte und Schelling und schliesslich in der Logik Hegels nachzugehen. Damit soll zum Verständnis eines zentralen Elements des Deutschen Idealismus als “Spinozismus der Freiheit” beigetragen werden.

Beim späten Fichte und bei Schelling lassen sich zwei grundsätzlich verschiedene Ausführungen des Gedankens der Freiheit als Offenbarung (oder Manifestation) feststellen. Nach Fichte offenbart sich das absolute Sein im Bewusstsein als seinem “Bild”. Damit tritt die repräsentationale Struktur des Bewusstseins in den Mittelpunkt der Betrachtung. Insbesondere in Fichtes Hauptschrift zur Religionsphilosophie, der “Anweisung zum seligen Leben” von 1806, wird deutlich, dass Fichte den systematisch grundlegenden Freiheitsbegriff von der “Bild”-Konzeption des Bewusstseins her entwickelt: die Freiheit wird hier wesentlich als Bewusstseinseigenschaft verstanden. Sie besteht darin, dass das Bewusstsein sich in Beziehung auf die ihm erscheinende Mannigfaltigkeit in verschiedenen Weisen spontan fokussieren und damit verschiedene “Weltansichten” annehmen kann. Damit wird die Erörterung verschiedener Standpunkte des Denkens und Lebens zu einem zentralen Thema der philosophischen Erhellung der menschlichen Freiheit, während der kantische Begriff der moralischen Autonomie des Subjekts seine systematisch grundlegende Stellung verliert – er gehört einer besonderen Weltansicht zu, und ist insofern von untergeordneter Bedeutung für das Verständnis der Freiheit des Menschen.

Schelling hingegen versteht die Manifestation des Absoluten als einen Aktualisierungsprozess, in dem dessen vor-rationaler Impuls – das Absolute als “Grund” – zunehmend artikuliert und strukturiert wird. In dieses Konzept kann die Natur als ihrem Repräsentiertwerden durch das menschliche Bewusstsein vorgängige Wirklichkeit eingefügt werden. In seiner “Freiheitsschrift” von 1809 hat Schelling im Ausgang von diesem Grundgedanken die menschliche Freiheit als Vollendung der Selbstaktualisierung des Absoluten gefasst. Die Freiheit stellt sich hier als die Fähigkeit dar, das Verhältnis vor-rationaler partikularer Impulse und rationaler Ordnungsfähigkeit eigenmächtig festlegen zu könnnen – womit der Mensch, zwischen Gut und Böse als seine Grundmöglichkeiten gestellt, sich als einziger potentieller Unordnungsfaktor in der Natur erweist.

Bei Fichte und Schelling wird deutlich, dass das jeweils angenommene Verständnis der menschlichen Freiheit Konsequenz der jeweils zugrundegelegten monistischen Konzeption der Manifestation bzw. Offenbarung des Absoluten ist. Während die Freiheit bei Fichte als Eigenschaft des Bewusstseins qua “Bild” des Absoluten  verstanden ist, das spontan verschiedene Weltansichten annehmen kann, wird sie bei Schelling in ein ontologisches Naturkonzept eingefügt und als eigenständiges, volitives Sich-Verhalten zu einer vorgegebenen Ordnungsstruktur gefasst. Der Beitrag Hegels ist vor diesem Hintergrund darin zu sehen, dass er den Begriff der Manifestation als solchen zum Gegenstand der Untersuchung macht. In seiner ¨Logik” spielt der Manifestationbegriff ja eine Schlüsselrolle im Übergang von der Logik des Wesens zu der des Begriffs. Hegels These ist es hier, dass Manifestation innerhalb der Strukturen des Wesens gar nicht adäquat gedacht werden kann, sondern nur als “Begriff”. Der Begriff aber wird von Hegel als “frei” charakterisiert – womit der Zusammenhang zwischen Manifestation und Freiheit auch bei Hegel, in begriffslogischer Form, präsent bleibt. Hegels Grundgedanke ist dabei, dass Manifestation nur als wechselseitige Konstitution dessen, was sich manifestiert, und der Manifestation zu verstehen ist. Es gibt keine innere, wesentliche Identität, die ihrer Manifestation vorausginge. Man kann Hegel wohl die Auffassung zuschreiben, dass sowohl Fichte, als auch Schelling in ihrer Konzeption der Offenbarung letztlich noch wesenslogischen Strukturen verhaftet geblieben sind, so dass auch der von ihnen zugrundegelegte Begriff des Absoluten einen transzendenten Charakter beibehält. Die Konzequenzen der hegelschen Konzeption der Manifestation als freier Begriff lassen sich m.E. bis in die Rechtsphilosophie und, genauer, die hegelsche Auffassung der Sittlichkeit hineinverfolgen.