Prof. Dr. Mario Rojas Hernández
Curriculum Vitae
Professor an der Akademie für Philosophie und Geistesgeschichte der Universidad Autónoma de la Ciudad de México. Abschluss in Philosophie an der Universidad Autónoma Metropolitana und der Universidad Nacional Autónoma de México, Promotion in Philosophie an der RWTH Aachen mit einem DAAD-Stipendium (1996-2000). Forschungsaufenthalt am Philosophischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena August-November 2009, finanziert vom DAAD.
Mitglied im Sistema Nacional de Investigadores (SNI) [Nationales Forscherförderungssystem] Mexikos.
Veröffentlichungen:
Der Begriff des Logischen und die Notwendigkeit universell-substantieller Vernunft, Aachen/Mainz 2002.
Globalización financiera, despojo y radicalización de la dominación capitalista. La razón ética contra la globalización financiera [Finanzielle Globalisierung, Enteignung und Radikalisierung kapitalistischer Herrschaft. Ethische Vernunft gegen finanzielle Globalisierung], Mexiko 2008.
La razón ético-objetiva y los problemas morales del presente. Crítica ético-racional del relativismo moral-cultural [Ethisch-objektive Vernunft und die moralischen Probleme der Gegenwart], Mexiko 2011.
Hegel y la libertad [Hegel und die Freiheit], Mexiko 2011.
Diverse Artikel zu Metaphysik und Ethik in Büchern und Fachzeitschriften in Mexiko, Argentinien, Deutschland, Österreich und China.
Mitherausgeber: Dussel, Enrique/Margarita Guevara/Mario Rojas (Hg.), Justicia y Razón. Homenaje a Porfirio Miranda [Gerechtigkeit und Vernunft. Festschrift für Porfirio Miranda], UAM-I, Mexiko 2007.
La filosofía de José Porfirio Miranda. Contribuciones críticas en torno a su obra [Die Philosophie José Porfirio Mirandas. Kritische Beiträge zu seinem Werk], Mexiko 2011.
Meine philosophischen Interessen und Forschungslinien gehen bisher in folgende Richtung:
- Hegels objektiver Idealismus: Ich halte die Philosophie Hegels für einen der großen philosophischen Beiträge in der Geschichte der Philosophie. Kern seiner Philosophie ist die Konzeption des Logischen oder der Logik als das Absolute, d.h. als eine letzte logische Struktur in dem Sinne, dass sie sich einerseits selbst begründet und andererseits – aufgrund ebendessen –, insofern sie sowohl dem (subjektiven, objektiven) menschlichen Geist als auch der Natur zugrundeliegt. Eine der großen philosophischen Herausforderungen liegt in einem angemessenen Verständnis und einer kritischen Rekonstruktion der Wissenschaft der Logik im Hinblick auf deren mögliche Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der gegenwärtigen wissenschaftlichen und philosophischen Beiträge, Fortschritte und Probleme und in kritischer Diskussion mit diesen.
- Ein weiterer Kern der Philosophie Hegels ist der Begriff der Subjektivität. Bekanntlich gilt seine Philosophie als die der (absoluten) Subjektivität, und von diversen theoretischen Ansätzen wird sie –und zwar radikal in einem Sinne von Negation und Ablehnung – als neuzeitliche Philosophie der Subjektivität kritisiert.
Ich habe diese Thematik in verschiedenen Arbeiten behandelt und arbeite gegenwärtig wieder darüber. Ich behaupte, dass Hegels Begriff der Subjektivität, des Ich, grundlegend ist für unsere Selbsterkenntnis als Menschen, die fähig sind, in vernünftiger und sittlicher Weise zu sprechen, zu denken, zu fühlen, zu handeln, zu entwerfen, Kritik zu üben, und das heißt letzten Endes in dem Sinne, autonome vernünftige Wesen zu sein, sein zu können und sein zu sollen: autonome Subjekte. Dies bedeutet keine Verteidigung eines Individualismus noch eines Solipsismus noch eines an bloßen Macht- und Herrschaftsinteressen orientierten Individuums; vielmehr vertrete ich den Standpunkt, dass es die Konzeption Hegels und eine theoretische Weiterentwicklung derselben ist, was eine kritische Konfrontation mit diesen falschen Subjektivitätskonzeptionen ermöglichen kann und in der Tat ermöglicht. Letzten Endes geht es darum, eine für die gegenwärtigen Gesellschaften gangbare Konzeption eines autonomen Subjekts und sittlicher Intersubjektivität beizusteuern.
- Demgemäß habe ich philosophisch (wiederum gestützt auf Beiträge von Miranda, Apel, Kuhlmann, Hösle, Habermas u.a.) die Möglichkeit und Notwendigkeit einer philosophischen Letztbegründung der Ethik vertreten, d.h. den Ansatz einer universalen rationalen Ethik (ethischer Universalismus), die sich wirklich als ein System individueller Grundrechte und -pflichten entfaltet, artikuliert und wirksam wird. In immanentem Zusammenhang damit bin ich dem moralisch-kulturellen Relativismus und kontextualistischen, skeptizistischen, postmodernen, konservativen Versuchen zur Diskreditierung der universalen Rationalität und Ethik entgegengetreten.
- Basierend auf den genannten Ausführungen habe ich in einigen Aufsätzen – die ich als Moment meiner philosophischen Reflexion weiter ausarbeiten und entwickeln möchte –eine kritische Diskussion mit einigen Vertretern der lateinamerikanischen Philosophie geführt. Kern der Auseinandersetzung ist hier die Kritik und Zurückweisung, die vom lateinamerikanischen soziokulturellen und philosophischen Horizont aus gegen das geäußert wird, was man als “westliche Vernunft”, “Eurozentrismus”, “westliche Moderne”, “westlichen Universalismus” usw. bezeichnet. Meiner Ansicht nach ist es möglich, ethisch-rationale Kritik an den (theoretischen, praktischen, wissenschaftlichen, philosophischen, wirtschaftlichen, politischen) negativen, verhängnisvollen, weder ethischen noch rationalen, kritikwürdigen, veränderbaren Elementen der westlichen Moderne zu üben, ohne deren grundlegende positive – rationale – Beiträge zu leugnen, die gleichzeitig die Grundlage der Kritik dieser genannten Elemente bilden.
- Davon ausgehend habe ich mich ferner – wenn auch erst ansatzweise, aber in der Absicht, es zum entwickelten und konstitutiven Moment meiner philosophischen Fragestellung werden zu lassen – der Analyse und Kritik des kapitalistischen Wirtschaftssystems gewidmet. Vorerst kann ich nur sagen, dass ich diese philosophische, rationale und kritische Auseinandersetzung mit dem faktisch existierenden kapitalistischen Wirtschaftssystem und seinen theoretischen Vertretern für eine der wichtigsten philosophischen Aufgaben der Gegenwart halte. Weshalb? Weil ich meine, dass es nicht das Wirtschaftssystem noch das des Lebens insgesamt sein soll, das die Verwirklichung eines rationalen, sittlichen, verantwortungsbewussten, emanzipierten menschlichen Lebens ermöglicht.
Letzte Kommentare