Prof. Dr. Gerardo Ávalos Tenorio
Kurzbiografie
Studium, Aufbaustudium und Promotion in Politologie an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM). Professor für Lehre und Forschung (Vollzeit, höchste Stufe) an der Abteilung für Soziale Beziehungen der Universidad Autónoma Metropolitana, Campus Xochimilco. War 1987-1997 Dozent für Politische Ökonomie und Gesellschaftstheorie an der Fakultät für Politologie und Sozialwissenschaften der UNAM. Gehört dem Nationalen Forschersystem (Stufe 1) an.
Verfasser folgender Bücher:
Leviatán y Behemoth. Figuras de la idea del Estado (Leviathan und Behemoth. Gestalten der Idee des Staates), Mexiko: Universidad Autónoma Metropolitana 1996 (1. Auflage), 2001 (2. Auflage).
El monarca, el ciudadano y el excluido. Hacia una crítica de lo político (Der Monarch, der Bürger und der Ausgeschlossene. Zu einer Kritik des Politischen), Mexiko: Universidad Autónoma Metropolitana-Xochimilco, DCSH 2006.
La política del capital (Die Politik des Kapitals) (zusammen mit Joachim Hirsch), Mexiko: Universidad Autónoma Metropolitana-Xochimilco, DCSH 2007.
Breve introducción al pensamiento de Hegel (Kurze Einführung in Hegels Denken), Mexiko:Universidad Autónoma Metropolitana (Colección Biblioteca Básica) 2011.
Als Herausgeber:
Política y Estado en el pensamiento moderno (Politik und Staat im modernen Denken), Mexiko: Universidad Autónoma Metropolitana-Xochimilco 1996 (1. Auflage), 2001 (2. Auflage).
Redefinir lo político (Das Politische neu bestimmen), Mexiko: Universidad Autónoma Metropolitana-Xochimilco 2001.
El Estado mexicano. Historia, estructura y actualidad de una forma política en transformación (Der mexikanische Staat. Geschichte, Struktur und Gegenwart einer sich wandelnden politischen Form ), Mexiko: Universidad Autónoma Metropolitana 2009.
Ferner ist er Verfasser diverser, in verschiedenen Zeitschriften und Sammelbänden erschienener Essays und Artikel zu Philosophie und politischer Theorie.
Die zuletzt veröffentlichten sind folgende:
(zusammen mit José Luis González Callejas): “Estado, eticidad y forma imperio. Las razones de la pervivencia de la autocracia mexicana” (Staat, Sittlichkeit und Imperiumsform. Die Gründe für das Fortbestehen der mexikanischen Autokratie), in: Veredas. Revista del pensamiento sociológico, Sonderheft 2. Halbj. 2012.
“Actualidad de Marx. Cosificación, fetichismo y enajenación” (Marx’ Aktualität. Verdinglichung, Fetischcharakter und Entfremdung), in: Reencuentro. Análisis de problemas universitarios, Nr. 64, August 2012.
“Slavoj Žižek: la corrosiva plaga de la crítica” (Slavoj Žižek: Die zersetzende Plage der Kritik), in: Gerardo Ávalos Tenorio (Hg.), Pensamiento político contemporáneo (Zeitgenössisches politisches Denken). Im Druck.
“El colapso del Estado mexicano” (Der Zusammenbruch des mexikanischen Staates) (im Druck).
Hg. des Bandes: Transformaciones del Estado (Transformationen des Staates) (zur Begutachtung vorgelegt).
“El socialismo como teoría de justicia” (Der Sozialismus als Gerechtigkeitstheorie) (zur Begutachtung vorgelegt).
Philosophische Vorhaben
Seine Forschungsthemen drehen sich um die Theorie des Staates, die politischen Veränderungen der Gesellschaft und das klassische und moderne politische Denken.
Über das zweite dieser theoretischen Anliegen hat er gerade den Band La estatalidad en transformación (Staatlichkeit in Veränderung) abgeschlossen, in dem er argumentiert, der Leviathan-Staat besitze ein Inneres, das nicht aus Organen, sondern aus intersubjektiven Beziehungen bestehe, die ein Eigenleben entwickeln und sich von den Menschen aus Fleisch und Blut, von ihrem Willen, ihren Vorstellungen, ihren Wünschen und Bedürfnissen abspalten. Natürlich lehren Philosophie und Geschichte, wie sich das komplexe Innenleben dieses Leviathans herausgebildet hat.
Die Gesellschaft selbst hat sich als symbolische und imaginäre Ordnung außerhalb und über der Bevölkerung, die lediglich ihr materielles Moment bildet, konstituiert. Insofern ist die Gesellschaft eine Abspaltung der Bevölkerung und konstituiert sich als deren Wirklichkeit: In der Gesellschaft herrschen Tauschwert, Ware, Geld, Preis, Lohn, Gewinn, kurz, es herrscht das Kapital mit seiner autokratischen Gesetzlichkeit und seinem Zusammenspiel mit dem System von Bedürfnissen und Wünschen. Um es emblematisch auszudrücken: Der Preis ist realer als der Hunger.
Wenn es jedoch über eine Ordnung zu sprechen gilt, die sich dem Willen der Subjekte entzieht, dann muss der psychoanalytische Diskurs wiederbelebt werden: Dieser enthüllt das Trieb-Innenleben des Staates. Angst, Neid, Eifersucht, Hass und Hoffnung werden zu Trieben von politischer Valenz, die sowohl zum Aufbau wie zur Zerstörung gesellschaftlicher Ordnungen benutzt worden sind. Und sie sind nicht aus irgendeinem Hinterhalt, sondern vom Universum des Politischen her benutzt worden, d.h. von der Bühne des Betriebs aus, wo eben die Projekte ins Spiel gebracht werden, die aufgrund strategischen Wollens – und nicht aus individueller Willkür oder Laune – die Koordinaten eines systemischen Ganzen bestimmen.
Dergestalt ist zwischen Staat und Staatlichkeit zu unterscheiden, denn Ersterer behandelt vor allem die dingliche institutionelle Ordnung, während Letztere sich auf den nicht unmittelbar politischen Prozess bezieht, in dem sich die Legitimität und konkrete Ausformung einer bestimmten Gesellschaftsordnung bildet und entwickelt. Die gegenwärtige Epoche besitzt bestimmte Koordinaten, die sie als eine Zeit der Neuartikulierung der Verbindung zwischen der Macht des Kapitals und der Arbeit bestimmen lassen.
Die Globalisierung hat sich als Mythos herausgestellt, nicht aber die Realität der Enteignung und Exklusion. Diesen Vorgang hat man zu legitimieren gesucht durch eine ideologische Verschleierung auf der Grundlage einer Diskreditierung des kritischen Diskurses und ein Übermaß an Diskurs über Ethik und Demokratie. In diesem Buch werden die Grenzen und Widersprüche dieser Ethik der Scheinheiligkeit und undemokratischen Demokratie aufgezeigt.
Andererseits sticht sein Interesse für das Denken von Marx und Hegel hervor.
Dazu bereitet er gegenwärtig zwei Bücher vor: Marx: poder y libertad (Marx: Macht und Freiheit) und Hegel actual. La paciencia de lo negativo (Hegel heute. Die Geduld des Negativen). Was ihn als Forscher vielleicht am besten kennzeichnet, ist die Deutung gesellschaftlicher Erscheinungen auf der Grundlage eines weit gefassten Staatsbegriffs, den er als relationalen Prozess (nicht als Ding oder Apparat) versteht, der diverse Ausdrucksformen im Leben der Menschen zeigt. Seinen politologischen Studiengang hat er um Philosophie und Psychoanalyse ergänzt, sodass er gegenwärtig in der Lage ist, politische Erscheinungen in ihren verschiedenen intersubjektiven und institutionellen Dimensionen zu verstehen.
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