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Prof. Dr. Horacio Martín Sisto

ID_829470

Currriculum Vitae.

 Promotion in Philosophie an der Universidad Nacional de la Plata (UNLP), Argentinien

Haupttätigkeit: Dozent (Forschung und Lehre) für Neuzeitliche Philosophie an der Universidad Nacional de General Sarmiento (UNGS)

Ferner: Leiter für Praktische Arbeiten in Geschichtsphilosophie an der Universidad de Buenos Aires (UBA)

Ehemals Promotionsstipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) am Hegel-Archiv der Ruhr-Universität Bochum.

Gegenwärtig Leiter des Forschungsprojekts “Kritische Überprüfung der Phänomenologie des Geistes. Ihr Lösungsvorschlag zum Problem des Verhältnisses von Bewusstsein und Realität in der Diskussion zwischen postkantischem Skeptizismus, Realismus und Idealismus”.

Veröffentlichungen (Auswahl):

– Experiencia y Absoluto. La respuesta de G. F. W. Hegel en la Introducción a la Fenomenología del Espíritu a los desafíos del escepticismo de G. Schulze [Erfahrung und Absolutes. G.W.F. Hegels Antwort in der Einleitung zur Phänomenologie des Geistes auf die Herausforderungen des Skeptizismus G. Schulzes]. Format E-Book online (UNLP – Memoria Académica, 2008).

– “Una lectura narrativista de la Lógica Hegeliana. El caso de los distintos posicionamientos del pensamiento frente a la objetividad” [Eine narrativistische Lektüre der hegelschen Logik. Der Fall unterschiedlicher Positionierungen des Denkens gegenüber der Objektivität]. Revista de Estudos Hegelianos. Revista Semestral da Sociedade Hegel Brasileira – SHB Sociedade Hegel Brasileira, Porto Alegre, Brasilien (im Druck), ISSN 1980-8372.

– “Lo natural no es siempre tan natural, u olvido y naturalización. Un Hegel contemporáneo debate con el escepticismo moderno” [Das Natürliche ist nicht immer so natürlich, oder: Vergessen und Naturalisierung. Ein zeitgenössischer Hegel setzt sich mit dem modernen Skeptizismus auseinander], in: Lecturas contemporáneas de la filosofía política clásica y moderna. Ediciones UNGS 2012.

– “Distintos posicionamientos frente a la positividad en épocas de globalización: de Hegel a Agamben” [Unterschiedliche Positionierungen gegenüber der Positivität in Globalisierungszeiten: von Hegel zu Agamben], in: Perspectivas de investigación en Filosofía. Aporías de la razón moderna. Ediciones UNGS 2012.

– “La noción de experiencia a través de sus diversas formulaciones en la Fenomenología del Espíritu” [Die Vorstellung der Erfahrung in ihren verschiedenen Formulierungen in der Phänomenologie des Geistes], in: Experiencia y concepto. Intensidades clásicas y tensiones contemporáneas. Santa Fe: Ediciones UNL 2011.

– “La filosofía alemana y los problemas de “la” historia (1774-1830). La metafísica del Plan” [Die deutsche Philosophie und die Probleme “der” Geschichte (1774-1830). Die Metaphysik des Plans], in: La historia desde la teoría. Una guía de campo por las principales teorías acerca del sentido y conocimiento del pasado. Buenos Aires: Prometeo 2009.

– “El “aporte” de Herder en 1774, y sus Ideas sobre filosofía de la historia (1784-1791)” [Herders “Beitrag” von 1774 und seine Ideen zur Geschichtsphilosophie (1784-1791)], in: La historia desde la teoría. Una guía de campo por las principales teorías acerca del sentido y conocimiento del pasado. Buenos Aires: Prometeo 2009.

– “Kant y el punto de vista filosófico sobre la historia” [Kant und der philosophische Standpunkt zur Geschichte], in: La historia desde la teoría. Una guía de campo por las principales teorías acerca del sentido y conocimiento del pasado. Buenos Aires: Prometeo 2009.

– “Plan humano y plan divino. La filosofía de la Historia de Hegel” [Menschlicher und göttlicher Plan. Hegels Geschichtsphilosophie], in: La historia desde la teoría. Una guía de campo por las principales teorías acerca del sentido y conocimiento del pasado. Buenos Aires: Prometeo 2009.

– “La relación entre lo teórico y lo empírico en la concepción hegeliana de la historiografía” [Das Verhältnis von Theorie und Empirie in der hegelschen Konzeption der Geschichtsschreibung], in: La comprensión del pasado. Barcelona: Herder 2005.

Ferner Rezensionen in diversen Zeitschriften und Studien zu Hegel.

philosophisches projekt

 Kritische Überprüfung der Phänomenologie des Geistes. Ihr Lösungsvorschlag zum Problem des Verhältnisses von Bewusstsein und Realität in der Diskussion zwischen postkantischem Skeptizismus, Realismus und Idealismus

Martín Horacio Sisto

msisto@ungs.edu.ar

Universidad Nacional de General Sarmiento

Allgemeine Beschreibung (das Projekt in seinen Einzelheiten steht zur Verfügung):

Das Projekt möchte die Phänomenologie als ein Werk zeigen, das sich angemessen einfügt und begreifen lässt als Lösungsvorschlag zu der Reihe von Debatten, die im Gefolge der ersten Ausgabe der Kritik der reinen Vernunft zum Verhältnis zwischen Bewusstsein und Realität entstehen; genauer noch, zur Möglichkeit des Zugangs des Bewusstseins zur Realität als Begründung von Erkenntnis.

Diese historische Diskussion erkennt Kant als Ausgangspunkt in Bezug auf ein umfassenderes, von René Descartes eröffnetes Programm an. Der philosophischen Diagnose der postkantischen Denker zufolge stellt die Kritik der reinen Vernunft  eine – wenn auch unvollkommene – Lösung sowohl für die Ziele als auch die Aporien dar, die das kartesische Programm aufgeworfen hat. Dieses Programm bestand hinsichtlich der Erkenntnistheorie und des Grundansatzes der Philosophie in dem Ziel, alles Wissen auf die “Vernunft” zu gründen, da es die Art und Weise, in der es bis dahin begründet und vermittelt wurde, als unzureichend ansah. Dieser Ansatz suchte deshalb einen apodiktischen Ausgangspunkt und eine Methode, die die Weiterführung der Grundlegung von diesem Ausgangspunkt bis hin zu den übrigen Erkenntnissen sicherstellen sollte. Descartes fand diesen Ausgangspunkt im Cogito.

Unter den auftauchenden neuen Schwierigkeiten, die durch den Ansatz selbst verursacht wurden, befand sich die Frage nach der Grundlegung unserer Erkenntnis; nach der Existenz der “Außenwelt”; und den Artgenossen als den “Anderen”. Rationalismus und Empirismus waren Modelle, die auf unterschiedliche Weise diese und andere Aporien zu lösen suchten. Kant representierte sowohl für seine unmittelbaren Zeitgenossen wie auch für einen großen Teil der heutigen Untersuchungen den Ansatz, dem in der bis dahin zufriedenstellendsten Form in gewisser Weise das Grundziel des kartesischen Programms zu bewahren und gleichzeitig Antworten auf die von diesem aufgeworfenen Aporien zu geben gelang. Und zwar so sehr, dass bestimmte Akademiker ihn für den Gipfel der neuzeitlichen Philosophie halten: Ungeachtet der in seiner Philosophie möglicherweise zu findenden Unzulänglichkeiten stellten seine wissenschaftlichen Vorzüge das Non plus ultra der Moderne in der Philosophie dar; was “Postkantianismus” bzw. in anderen Terminologien “klassische deutsche Nach-Kant-Philosophie” genannt wird, d.h. das Denken von Kant bis Hegel, ändere die Richtung der neuzeitlichen Philosophie zum Schaden des bei Kant erreichten Gleichgewichts.

Das vorliegende Projekt betrachtet dagegen die Auffassung der postkantischen Philosophen als vernünftig, d.h. die Aporien, die durch die von der transzendentalen kantischen Philosophie angebotenen Lösungen aufgeworfen wurden, verdienten eine neue Lösung – und ermunterten zu deren Erkundung –, die das Scheitern des Projekts einer auf das Subjekt gegründeten Philosophie verhindern sollte, so wie sie mit dem kartesischen Ansatz begonnen worden war. Und sie betrachtet die Phänomenologie des Geistes und die Wissenschaft der Logik als einen Lösungsvorschlag in dieser Richtung.

Ausgehend von dieser Hypothese soll eine kritische Rekonstruktion des grundlegenden Ansatzes der Phänomenologie geboten werden, nämlich als Antwort auf die Problematik des Verhältnisses zwischen Bewusstsein und Welt im Rahmen der Begründung der Erkenntnis – eine Problematik, die sich in den Jahren zwischen 1787 und 1807 in der Debatte zwischen Idealismus-Realismus-Skeptizismus herausbildete.

Sowohl für die Rekonstruktion der Debatte wie für ihre kritische Bewertung wird das Projekt zunächst auf die jüngsten Untersuchungen über diese Periode zurückgreifen, durch die man in der Wahrnehmung der Phänomenologie als einer Schrift vorangekommen ist, die auf eine in der damaligen philosophischen Gemeinschaft vorhandene Problematik antwortet, nicht aber als eines isolierten und esoterischen Monumentalwerks.

Ferner wird es sich auf zwei spätere Bezugsgrößen stützen, die in der Lage sind, beträchtlich zu einer aufwertenden und gleichzeitig kritischen Revision des hegelschen phänomenologischen Ansatzes beizutragen. Die erste ist die Philosophie Thomas Reids (1710-1796), des Begründers der schottischen Common-Sense-Schule. Auch wenn Hegels Auseinandersetzung mit dem, was er den gesunden Menschenverstand nennt, in großen Zügen bekannt ist, gehe ich bei diesem Projekt von folgender Hypothese aus: Aufgrund von Entstellungen in der Rezeption durch die Philosophie jener Zeit verfügte Hegel als Bezugspunkt für die Figur des gesunden Menschenverstands nur über eine abgewertete Version dessen, was die schottische Richtung in dieser Hinsicht darstellte. In diesem Sinne hätte Hegel sich bei den Jenaer Schriften wie auch in seiner phänomenologischen Kritik an der “sinnlichen Gewissheit” nicht direkt auf die Quelle – die Schriften Reids – gestützt, die zur realistischen Wende sowohl bei Jacobi als auch bei Schulze gedient hatten; beides ursprünglich Skeptiker. Die Neubewertung Reids in den letzten Jahren kann in sehr interessanter Weise Aufschluss geben für eine kritische Einschätzung der Position Hegels zu den Grundlagen des Idealismus und des Skeptizismus gegenüber dem Realismus des damals so genannten “gesunden Menschenverstands”.

Der zweite Bezugspunkt für diese kritische Rekonstruktion ist die Neubewertung der Phänomenologie, ausgehend vom Werk Wilfrid Sellars’ (1912-1989) und vor allem fortgesetzt durch Denker wie John Mac Dowell (1942-) und Robert Brandom (1950-). Ich meine, dass abgesehen von den Einwänden philologischer Art, die man ihnen machen kann, diese Interpretationen u.a. das Verdienst haben zu berücksichtigen, dass die Phänomenologie eine für die Diskussion ihrer Zeit angemessene und für die gegenwärtige Philosophie fruchtbare Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen “Intellekt und Welt” sowohl auf theoretischer wie auf praktischer Ebene darstellt. Diesen Denkern gelingt es – ohne dass sie Hegels Philosophie unkritisch gegenüberstehen –, diese für unsere Zeit in programmatischer Weise wiederzubeleben.